Sie sind kleiner als ein Stecknadelkopf und sitzen längst nicht mehr nur im Wald. Zecken lauern heute auf der Wiese hinterm Haus, im Stadtpark und in immer mehr Regionen der Schweiz. Inzwischen gilt fast das ganze Land als FSME-Risikogebiet, einzig der Süden rund ums Tessin bildet eine Ausnahme. Und seit Anfang 2026 wird auf Impfungen keine Franchise mehr erhoben. Was wirklich schützt und woran man einen gefährlichen Stich erkennt.
Zecken lauern längst nicht mehr nur im Wald
Viele Menschen verbinden Zecken noch immer mit Waldspaziergängen und abgelegenen Wanderwegen. Tatsächlich leben die Parasiten aber vor allem auf niedriger Vegetation wie Wiesen, Gräsern, Gebüschen und im Unterholz. Auch Stadtparks, Spielplätze oder der eigene Garten können zum Risikogebiet werden.
Ein weit verbreiteter Irrtum hält sich dabei hartnäckig: Zecken fallen nicht von Bäumen. Sie warten auf Pflanzen in Bodennähe auf einen geeigneten Wirt und gelangen beim Vorbeistreifen auf Menschen oder Tiere.
Fast die ganze Schweiz gilt als FSME-Risikogebiet
Heute gilt nahezu die gesamte Schweiz als Gebiet mit FSME-Impfempfehlung. Für die aktuellsten Informationen empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit einen Blick auf die offizielle Karte der FSME-Risikogebiete.

Wichtig: Die genaue Einteilung kann sich verändern. Deshalb sollte man sich nicht auf ältere Karten oder Listen verlassen, sondern die aktuelle Übersicht des BAG konsultieren.
FSME und Borreliose: Der entscheidende Unterschied
Nach einem Zeckenstich besteht nicht automatisch eine Erkrankung. Laut BAG liegt die Wahrscheinlichkeit in Endemiegebieten bei rund 2 Prozent für FSME und bei etwa 5 Prozent für Borreliose.
Der wichtigste Unterschied:
- FSME wird unmittelbar beim Stich übertragen.
- Borreliose wird meist erst nach etwa 12 bis 24 Stunden übertragen.
Deshalb hilft das schnelle Entfernen einer Zecke vor allem dabei, das Risiko einer Borreliose-Infektion zu senken. Gegen Borreliose existiert derzeit keine Impfung.
Die FSME-Impfung wird 2026 günstiger
Seit Anfang 2026 gilt in der Schweiz eine wichtige Änderung: Auf Impfungen wird keine Franchise mehr erhoben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Impfungen kostenlos sind. Der gesetzliche Selbstbehalt von 10 Prozent bleibt bestehen. Für viele Menschen wird die FSME-Impfung dadurch dennoch günstiger als bisher.
Auch bei anderen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Themen gelten seit 2026 neue Regelungen. Mehr dazu im Artikel „Neue Regeln in der Schweiz: Das hat sich diese Woche für dich geändert“.
Das BAG und die Eidgenössische Kommission für Impffragen empfehlen die FSME-Impfung ab drei Jahren für Personen, die in Risikogebieten leben oder sich regelmässig im Freien aufhalten.
Drei Impfungen schützen über Jahre
Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfungen erforderlich.
Nach den offiziellen Empfehlungen liegt der Schutz danach bei über 95 Prozent und hält mindestens zehn Jahre an. Anschliessend wird eine Auffrischung empfohlen. Weitere Informationen zur FSME-Impfung finden sich bei FSME Schweiz.
Gerade für Menschen, die viel Zeit im Garten verbringen, regelmässig wandern oder sportlich draussen aktiv sind, kann die Impfung eine wichtige Vorsorgemassnahme sein.
Was nach einem Zeckenstich wichtig ist
Nach einem Zeckenstich ist die richtige Nachsorge entscheidend. Es empfiehlt sich, die Einstichstelle und den Gesundheitszustand während der folgenden Wochen zu beobachten.
Hilfreich ist dabei die kostenlose App «Zecke». Sie erinnert nach einem eingetragenen Stich automatisch nach fünf, zehn und 28 Tagen an die Kontrolle und informiert über mögliche Symptome einer Borreliose.
Wie entfernt man eine Zecke richtig?
Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie möglichst rasch entfernt werden. Dafür eignet sich eine Zeckenkarte, eine feine Pinzette oder ein spezielles Zeckenwerkzeug.
Die Zecke sollte möglichst nah an der Haut gefasst und langsam gerade herausgezogen werden. Anschliessend empfiehlt es sich, die Einstichstelle zu desinfizieren und das Datum des Stichs zu notieren.
Von Hausmitteln wie Öl, Nagellack oder Klebstoff raten Fachleute ab. Diese Methoden können dazu führen, dass die Zecke zusätzlichen Speichel oder Darminhalt abgibt.
Bleiben kleine Teile des Stechapparats in der Haut zurück, ist das meist kein medizinischer Notfall. Die Haut stösst diese häufig von selbst ab. Treten Entzündungen oder Beschwerden auf, sollte jedoch eine Ärztin oder ein Arzt konsultiert werden.
So schützt du dich im Alltag
Ein vollständiger Schutz vor Zecken ist kaum möglich. Mit einigen einfachen Massnahmen lässt sich das Risiko jedoch deutlich reduzieren.
Empfohlen werden lange Hosen, geschlossene Schuhe und Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt. In Wiesen, hohem Gras und im Unterholz sollten Wege nach Möglichkeit nicht verlassen werden.
Zusätzlich können Zeckenschutzmittel auf Haut oder Kleidung aufgetragen werden. Nach Aufenthalten im Freien empfiehlt sich eine gründliche Kontrolle des gesamten Körpers, insbesondere an Kniekehlen, Achseln, Leistengegend und Haaransatz.
Auch Haustiere können Zecken ins Haus bringen. Deshalb sollten Hunde und Katzen regelmässig kontrolliert und bei Bedarf mit geeigneten Schutzmitteln behandelt werden.
Viele wissen nicht: Ein Zeckenstich gilt als Unfall
Ein Detail überrascht viele Betroffene: In der Schweiz gilt ein Zeckenstich rechtlich als Unfall.

Dadurch werden notwendige medizinische Behandlungen grundsätzlich von der Unfallversicherung übernommen. Wer nach einem Zeckenstich Beschwerden entwickelt oder ärztliche Hilfe benötigt, sollte dies entsprechend melden.
Zecken bleiben auch 2026 ein Gesundheitsrisiko
Jedes Jahr werden in der Schweiz zwischen rund 100 und 250 FSME-Fälle registriert. Gleichzeitig sorgen Zecken weiterhin für zahlreiche Borreliose-Infektionen.
Wer sich regelmässig im Freien aufhält, sollte deshalb nicht nur auf lange Kleidung und eine gründliche Kontrolle nach Aufenthalten in der Natur achten. Auch die FSME-Impfung kann ein wichtiger Bestandteil des persönlichen Schutzes sein.
Häufige Fragen zu Zecken
Muss ich nach jedem Zeckenstich zum Arzt?
Nein. Die meisten Zeckenstiche verlaufen ohne gesundheitliche Folgen. Treten jedoch Symptome wie Fieber, starke Kopfschmerzen, neurologische Beschwerden oder eine auffällige Hautrötung auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Hilft die FSME-Impfung auch gegen Borreliose?
Nein. Die FSME-Impfung schützt ausschliesslich vor Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Gegen Borreliose gibt es derzeit keine zugelassene Impfung.
Was mache ich, wenn der Kopf der Zecke stecken bleibt?
Oft bleibt nicht der Kopf, sondern ein Teil des Stechapparats zurück. In vielen Fällen wird dieser vom Körper selbst abgestossen. Bei Entzündungen oder Unsicherheit sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Wie lange sollte ich die Einstichstelle beobachten?
Die App «Zecke» empfiehlt Erinnerungen nach fünf, zehn und 28 Tagen. In dieser Zeit sollte auf Hautveränderungen oder Beschwerden geachtet werden.



