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Eine Frau, die einfach bleibt: Was eine Doula bei der Geburt wirklich macht

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
01.07.2026
doula geburtsbegleitung, schwangere Frau und Partner auf einem Sofa
Eine Doula begleitet werdende Eltern oft bereits lange vor der Geburt.
Darum gehts
  • Eine Doula begleitet werdende Eltern emotional vor, während und nach der Geburt.
  • Sie greift nie medizinisch ein, sondern ergänzt die Arbeit der Hebamme.
  • In der Schweiz kostet eine Begleitung meist zwischen 1200 und 2000 Franken, die Kasse zahlt in der Regel nicht.

Als das Baby im Wasser zur Welt kommt, kniet Martina Dolder neben der Badewanne. Sie hat in den Stunden zuvor den Rücken der Gebärenden gestützt, die Hand gehalten, ruhig zugesprochen. Medizinisch eingegriffen hat sie nie, das ist nicht ihre Aufgabe. Dolder ist Doula, Geburtsbegleiterin, und sie ist eine von rund 150 in der Schweiz. Immer mehr Frauen wünschen sich eine solche Begleiterin an ihrer Seite. Was genau eine Doula macht, und worin sie sich von der Hebamme unterscheidet.

Eine, die bleibt

Zwei Wochen vor der Geburt sitzen Carole und Dani Bohrer am Küchentisch ihres Hauses in Mollis GL. Vor ihnen liegen Fragebögen mit Notizen, Wünschen und möglichen Szenarien für die Geburt. Besprochen werden nicht nur die schönen Vorstellungen. Auch unangenehme Fragen kommen auf den Tisch. Was passiert, wenn Komplikationen auftreten? Was, wenn doch eine Verlegung ins Spital nötig wird?

doula geburtsbegleitung, Hände auf dem Bauch einer schwangeren Frau
Viele Eltern suchen während der Schwangerschaft eine kontinuierliche Bezugsperson.

Mit am Tisch sitzt Martina Dolder.

Genau hier beginnt die Doula Geburtsbegleitung, oft lange bevor die erste Wehe einsetzt. Sie hört zu, stellt Fragen und hilft werdenden Eltern dabei, sich mit ihren Vorstellungen auseinanderzusetzen. Nicht als medizinische Fachperson, sondern als konstante Begleiterin.

Als die Tochter des Paares später bei einer Hausgeburt zur Welt kommt, ist Dolder die ganze Zeit dabei. Carole und Dani Bohrer beschreiben die Geburt später als «unglaublich schönes Erlebnis».

Doula Geburtsbegleitung: Was eine Doula tatsächlich tut

Der häufigste Irrtum lautet: Eine Doula sei einfach eine Art Hebamme.

doula geburtsbegleitung, Frau begleitet Gebärende während der Geburt
Die Aufgabe einer Doula ist nicht die medizinische Betreuung, sondern die kontinuierliche Begleitung der Gebärenden.

Tatsächlich haben die beiden Rollen wenig gemeinsam.

Das Wort Doula stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet sinngemäss Dienerin oder Begleiterin der Frau. Eine Doula begleitet werdende Eltern emotional und mental vor, während und nach der Geburt. Sie ist bei Hausgeburten, im Geburtshaus oder im Spital dabei.

Ihre Aufgabe besteht nicht darin, Untersuchungen durchzuführen oder medizinische Entscheidungen zu treffen. Sie schafft vielmehr einen ruhigen Rahmen für die Geburt. Sie erinnert an Wünsche, unterstützt bei Unsicherheiten, hilft beim Atmen, massiert einen schmerzenden Rücken oder sorgt dafür, dass etwas getrunken wird.

Vor allem aber bleibt sie.

Während sich im Verlauf einer langen Geburt vieles verändern kann, bleibt die Doula dieselbe vertraute Person.

Der Unterschied zur Hebamme

Wer eine Doula engagiert, ersetzt damit keine Hebamme.

Die Hebamme ist eine medizinische Fachperson mit entsprechender Ausbildung. Sie überwacht die Gesundheit von Mutter und Kind, erkennt Risiken und entscheidet mit über das weitere Vorgehen.

Die Doula übernimmt keine dieser Aufgaben.

Martina Dolder beschreibt die Zusammenarbeit deshalb nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Die Hebamme kümmert sich um die medizinische Sicherheit. Die Doula konzentriert sich auf das Wohlbefinden der Gebärenden und ihres Partners.

Ein Detail macht den Unterschied besonders greifbar.

Hätte das Paar Bohrer während der Hausgeburt doch ins Spital verlegt werden müssen, hätte die Hausgeburtshebamme ihre Arbeit nicht einfach dort fortsetzen können. Martina Dolder dagegen hätte das Paar weiterhin begleiten können.

Genau diese Kontinuität suchen viele werdende Eltern.

Warum die Begleitung wirkt

Geburten lassen sich nicht planen wie ein Geschäftstermin.

Sie können wenige Stunden dauern oder deutlich länger. Sie können ruhig verlaufen oder überraschende Wendungen nehmen.

Gerade deshalb scheint die kontinuierliche Begleitung einen Unterschied zu machen.

Eine grosse Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 kam zum Schluss, dass Frauen mit einer kontinuierlichen Begleitung die Geburt oft positiver erleben. Sie hatten häufiger eine spontane vaginale Geburt und benötigten seltener schmerzstillende Massnahmen.

Interessant dabei: Nicht die Dauer der Geburt oder mögliche Eingriffe stehen im Vordergrund, sondern die Art, wie die Geburt erlebt wird.

Viele Frauen beschreiben das Gefühl, nicht allein zu sein, als entscheidenden Faktor.

Was sie kostet, und wer dafür aufkommt

Eine Doula wird privat engagiert.

In der Schweiz kostet eine umfassende Begleitung je nach Region und Angebot meist zwischen 1200 und 2000 Franken. Oft wird ein Durchschnittspreis von rund 1500 Franken genannt.

Im Preis enthalten sind üblicherweise das Kennenlernen, mehrere Gespräche während der Schwangerschaft, die Erreichbarkeit für Fragen, der Bereitschaftsdienst rund um den Geburtstermin, die Begleitung der Geburt sowie ein Nachgespräch.

Der Bereitschaftsdienst beginnt häufig etwa zwei Wochen vor dem errechneten Termin und endet etwa zwei Wochen danach.

Die Grundversicherung übernimmt diese Kosten in der Regel nicht, da sie nur medizinisch notwendige Leistungen vergütet.

Einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich teilweise an den Kosten. Ob dies der Fall ist, sollte jedoch frühzeitig direkt bei der eigenen Krankenkasse abgeklärt werden.

Für wen eine Doula besonders wertvoll ist

Nicht jede Frau wünscht sich eine Doula.

Für manche kann sie jedoch eine wichtige Stütze sein.

Besonders häufig interessieren sich Frauen dafür, die alleinstehend sind oder sich neben Hebamme und Partner eine weitere vertraute Person wünschen. Auch nach belastenden Geburtserfahrungen oder bei ausgeprägten Ängsten suchen viele bewusst nach zusätzlicher Begleitung.

Manchmal steht auch der Partner im Mittelpunkt.

Nicht jeder werdende Vater fühlt sich sicher in einer Situation, die er selbst noch nie erlebt hat. Die Doula nimmt ihm die Rolle nicht ab, sondern unterstützt ihn dabei. Dadurch verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern.

Manche Familien wünschen sich zudem eine Begleitung in ihrer eigenen Sprache oder mit ähnlichem kulturellem Hintergrund.

Informationen und eine regionale Suche bietet der Verband Doula Schweiz.

Eine alte Idee, neu entdeckt

Die Vorstellung, dass erfahrene Frauen andere Frauen beim Gebären begleiten, ist keineswegs neu.

Über Jahrtausende hinweg gehörte diese Unterstützung in vielen Kulturen selbstverständlich dazu. Geburten fanden im Kreis von Frauen statt, die selbst Erfahrungen mit Schwangerschaft und Geburt hatten.

Die moderne Doula bringt diese Idee in die Gegenwart zurück.

Nicht als Ersatz für Medizin. Nicht als Alternative zur Hebamme.

Sondern als zusätzliche Person, die bleibt, wenn alles andere in Bewegung gerät.

Häufige Fragen

Darf eine Doula mit in den Kreissaal?

Ja. In den meisten Spitälern ist die Anwesenheit einer Doula möglich. Sinnvoll ist es, das Spital vor der Geburt darüber zu informieren.

Kann eine Doula auch bei einem Kaiserschnitt dabei sein?

Das hängt von den Regeln des jeweiligen Spitals ab. In manchen Fällen darf sie zusätzlich zum Partner oder an dessen Stelle anwesend sein.

Braucht es überhaupt noch eine Hebamme, wenn man eine Doula hat?

Ja. Eine Doula übernimmt keine medizinischen Aufgaben und ersetzt weder Hebamme noch Ärztin.

Ab wann sollte man eine Doula suchen?

Viele Frauen nehmen bereits im zweiten Trimester Kontakt auf. Da beliebte Doulas oft früh ausgebucht sind, lohnt sich eine rechtzeitige Anfrage.

Wie finde ich eine Doula in der Schweiz?

Der einfachste Weg führt über den Verband Doula Schweiz. Dort finden werdende Eltern ausgebildete Doulas nach Region.

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