Wenn in der Schweiz Ende Oktober die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden, verändert sich kurzfristig auch der Rhythmus der Notfalleintritte in den Spitälern. Am Sonntag, 25. Oktober 2026, werden die Uhren um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Nach der Umstellung auf die Winterzeit kommen Patientinnen und Patienten im Tagesverlauf früher als gewöhnlich. Daten des Bundesamts für Statistik zeigen zugleich, dass dieser Effekt nicht lange anhält: Bis Montagabend haben sich die Unterschiede fast wieder ausgeglichen.
Das BFS verglich die Sonntage rund um die Zeitumstellung
Untersucht haben den Effekt Tania Andreani und Stefano Puddu vom Bundesamt für Statistik. Für ihre im September 2025 veröffentlichte Studie «Auswirkungen der Zeitumstellung auf den Spitalbetrieb» werteten sie die Notfalleintritte in Schweizer Spitälern zwischen 2011 und 2023 aus. Über die Auswertung berichtete SRF.
Im Zentrum standen die Sonntage rund um die beiden jährlichen Zeitumstellungen. Die Autoren verglichen, wie sich die Zahl und der Zeitpunkt der Notfalleintritte vor und nach der Umstellung veränderten.
Damit lässt sich beobachten, ob sich mit der Verschiebung der Uhrzeit auch ein sonst regelmässiger Tagesverlauf verschiebt. Warum eine einzelne Person an einem solchen Tag ins Spital eingeliefert wird, lässt sich daraus dagegen nicht ableiten.
Rund 1700 Notfalleintritte pro Tag
An einem durchschnittlichen Tag werden in der Schweiz rund 1700 Menschen notfallmässig hospitalisiert. Diese Eintritte verteilen sich nicht gleichmässig über den Tag. Ab etwa 6 Uhr morgens steigt ihre Zahl an und erreicht gegen 11 Uhr einen ersten Höhepunkt.

An Werktagen folgt zwischen 15 und 16 Uhr ein zweites, etwas schwächer ausgeprägtes Maximum. Auch zwischen den Wochentagen bestehen Unterschiede: An Arbeitstagen werden rund 20 Prozent mehr Menschen notfallmässig aufgenommen als an Samstagen, Sonntagen oder Feiertagen. Besonders hoch sind die Zahlen montags.
Vor diesem normalen Tagesverlauf wird sichtbar, was an den Sonntagen der Zeitumstellung anders ist. Dabei verändert sich nicht nur die Gesamtzahl der Eintritte, sondern auch deren zeitliche Verteilung.
Nach der Umstellung auf die Winterzeit werden 3,5 Prozent mehr Patientinnen und Patienten notfallmässig aufgenommen als üblich. Nach der Umstellung auf die Sommerzeit beträgt der Unterschied 6,5 Prozent.
Im Herbst kommen die Eintritte früher
Für die bevorstehende Umstellung Ende Oktober ist vor allem der Zeitpunkt der Notfalleintritte interessant. Nach dem Wechsel auf die Winterzeit verschiebt sich der Tagesverlauf nach vorne. Die Eintritte erfolgen früher als am Vergleichssonntag.

Die Verschiebung beträgt zwar nur einen Teil des Tages, ist in den Spitaldaten aber messbar.
Im Frühling verschiebt sich die Kurve nach hinten
Bei der Umstellung auf die Sommerzeit zeigt sich die Bewegung in die entgegengesetzte Richtung. Die Kurve der Notfalleintritte steigt später an als am Sonntag zuvor. Am Vormittag werden etwas weniger Menschen notfallmässig hospitalisiert, am Abend dagegen etwas mehr.
Auch bei den Diagnosen fanden die Autoren für die Frühjahrsumstellung Unterschiede. Nach dem Wechsel auf die Sommerzeit wurden insbesondere mehr Menschen wegen Kreislauf- und Atemwegserkrankungen notfallmässig aufgenommen.
Diese Diagnosebeobachtung bezieht sich auf die Umstellung im Frühling. Sie lässt sich nicht auf die Umstellung zur Winterzeit übertragen.
Bei den Altersgruppen zeigt sich ebenfalls ein Unterschied. Menschen unter 65 Jahren sind von den Veränderungen der Notfalleintritte etwas stärker betroffen als ältere Personen.
Am Montagabend ist der Unterschied fast verschwunden
Die Verschiebung hält nicht über längere Zeit an. Bereits am Montagabend nach der Zeitumstellung haben sich die beobachteten Unterschiede fast vollständig ausgeglichen.
Eine Stunde auf der Uhr verändert damit für kurze Zeit einen messbaren Tagesrhythmus in den Schweizer Spitaldaten. Der Befund sagt jedoch nicht, dass die Zeitumstellung die Ursache eines konkreten Notfalls bei einer einzelnen Patientin oder einem einzelnen Patienten war.
Für die Spitäler besteht kein besonderer Handlungsbedarf
Die statistisch sichtbaren Veränderungen bedeuten nach Einschätzung der Autoren nicht, dass sich die Spitäler organisatorisch besonders auf die Zeitumstellung vorbereiten müssten. Dafür seien die beobachteten Abweichungen quantitativ nicht gross genug.
Gleichzeitig werten Andreani und Puddu die signifikante Veränderung der Zahl der Notfallhospitalisierungen als Hinweis darauf, dass der menschliche Organismus auf die Zeitumstellung reagiert. Mehr lässt sich aus der Untersuchung für einzelne Personen nicht ableiten.



