Im Schweizer Winter stösst die körpereigene Vitamin-D-Bildung an ihre Grenze. Die Sonneneinstrahlung reicht in unseren Breitengraden nicht aus, damit die Haut genügend Vitamin D produziert. Trotzdem empfiehlt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV nicht allen Erwachsenen pauschal Supplemente. Für Menschen zwischen 3 und 60 Jahren gibt es mehrere Wege, den Bedarf zu decken.
Den grössten Teil bildet der Körper selbst
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine besondere Stellung ein. Über die Nahrung wird vergleichsweise wenig davon aufgenommen. Viel wichtiger ist die Bildung in der Haut, wenn diese dem Sonnenlicht ausgesetzt ist.
Wie gut das funktioniert, hängt stark von der Jahreszeit ab. Im Sommer ist die Sonneneinstrahlung in der Schweiz ausreichend, um Vitamin D in der Haut zu bilden. Im Winter ist die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden dagegen zu gering, um genügend Vitamin D zu bilden.

Diese jahreszeitlichen Unterschiede zeigen sich auch in der Versorgung der Bevölkerung. Eine Untersuchung des Bundesamts für Gesundheit mit rund 1400 Personen ab 15 Jahren ergab, dass in den Sommermonaten von Juni bis September rund 80 Prozent ausreichend mit Vitamin D versorgt waren. In den Wintermonaten von Dezember bis März wiesen dagegen mehr als 60 Prozent Werte unterhalb der empfohlenen Versorgung auf.
Als ausreichende Versorgung gilt dabei ein Serumwert von mindestens 50 Nanomol pro Liter. Die Zahlen zeigen, wie stark die Vitamin-D-Versorgung in der Schweiz von der Jahreszeit abhängt.
Im Winter bekommt die Ernährung mehr Gewicht
Wenn die körpereigene Produktion zurückgeht, wird die Ernährung wichtiger. Allerdings ist die Auswahl an Lebensmitteln, die von Natur aus relevante Mengen Vitamin D enthalten, begrenzt.
Das BLV nennt für Menschen zwischen 3 und 60 Jahren im Winter eine Vitamin-D-reiche Ernährung als einen möglichen Weg zur Bedarfsdeckung. Dazu gehören beispielsweise fettreiche Fische wie Lachs, Hühnereier und Champignons. Daneben können mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel zur Versorgung beitragen.

Was der Körper aus dem Sommer mitnimmt
Die Versorgung beginnt im Winter nicht bei null. Im Frühling und Sommer steigt die Vitamin-D-Konzentration im Blut, und ein Teil des Vitamins wird im Fettgewebe gespeichert. Im Herbst und Winter werden diese Speicher nach und nach geleert, während die Konzentration im Blut sinkt.
Wie viel Vitamin D ein Mensch über die Sonne bilden kann, ist allerdings nicht bei allen gleich. Ein wichtiger Faktor ist die Hautpigmentierung. Menschen mit einem dunkleren Hauttyp produzieren bei derselben Sonneneinstrahlung weniger Vitamin D in der Haut als Menschen mit einem helleren Hauttyp.
In den Schweizer Breitengraden tritt eine Unterversorgung bei stärker pigmentierter Haut deshalb häufiger auf. Das BLV zählt einen dunkleren Hauttyp zu den Faktoren, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Vitamin-D-Unterversorgung bestehen kann. Betroffene Personen können ihre individuelle Situation mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Ab 60 Jahren ändert sich die Empfehlung
Für Personen zwischen 3 und 60 Jahren nennt das BLV eine empfohlene Tageszufuhr von 600 internationalen Einheiten beziehungsweise 15 Mikrogramm Vitamin D. Wie dieser Bedarf gedeckt wird, hängt auch von der Jahreszeit ab.
Von Juni bis September benötigen Personen dieser Altersgruppe, die sich regelmässig im Freien aufhalten, grundsätzlich keine Vitamin-D-Supplemente. In diesen Monaten kann die körpereigene Bildung über die Haut einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung leisten.
Im Winter reicht diese körpereigene Bildung nicht aus. Das BLV nennt deshalb drei Möglichkeiten zur Bedarfsdeckung: Vitamin-D-reiche Lebensmittel, mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel oder Supplemente. Eine generelle Empfehlung, dass alle Personen zwischen 3 und 60 Jahren im Winter Supplemente einnehmen sollen, gibt es nicht.

Ab 60 Jahren ist die Empfehlung eindeutiger. Männern und Frauen dieser Altersgruppe empfiehlt das BLV Vitamin-D-Supplemente, um den Bedarf von 20 Mikrogramm pro Tag zu decken. Das Amt rät zudem dazu, das Thema bei einem Arztbesuch anzusprechen.
Für einzelne weitere Bevölkerungsgruppen gelten eigene Empfehlungen. Im ersten Lebensjahr wird eine Vitamin-D-Supplementierung empfohlen. Im zweiten und dritten Lebensjahr gilt dies bei ungenügender Sonnenexposition. Schwangeren und Stillenden wird die Einnahme nach ärztlicher Absprache empfohlen.
Auch bei Vitamin D ist mehr nicht automatisch besser
Eine Überversorgung mit Vitamin D entsteht nicht dadurch, dass jemand zu lange in der Sonne bleibt. Der Körper verfügt bei der Bildung über die Haut über entsprechende Steuerungsmechanismen. Auch über normale Lebensmittel ist eine Überversorgung nicht zu erwarten.
Anders sieht es bei einer unkontrollierten zusätzlichen Aufnahme aus. Insbesondere die Kombination verschiedener Vitamin-D-Quellen kann zu einer zu hohen Zufuhr führen. Das BLV rät deshalb davon ab, Vitamin D aus angereicherten Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln unkontrolliert gleichzeitig zur Bedarfsdeckung einzusetzen.
Ein Bluttest ist nicht für alle vorgesehen
Auch eine Bestimmung des Vitamin-D-Werts im Blut gehört nicht zur allgemeinen Vorsorge. Laboruntersuchungen zur Bestimmung der Vitamin-D-Konzentration werden für bestimmte Personengruppen empfohlen und nicht als routinemässige Untersuchung für die gesamte Bevölkerung.
Die unterschiedliche Versorgung zwischen Sommer und Winter allein ist deshalb kein Grund, bei jeder Person einen Blutwert bestimmen zu lassen. Entscheidend sind die individuelle Situation und mögliche Risikofaktoren.
Wer Fragen zur eigenen Vitamin-D-Versorgung hat oder unsicher ist, ob die Versorgung über Sonne und Ernährung ausreicht, kann dies mit der Hausarztpraxis besprechen.



