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«Die Hoffnung stirbt zuletzt»: Martina Sommaruga begleitet Menschen mit Hypnose

Marco Baumann
von
Marco Baumann
10.09.2026
Porträt von Martina Sommaruga
Martina Sommaruga begleitet Menschen mit Hypnose und Coaching. Bild: Martina Sommaruga
Darum gehts
  • Martina Sommaruga begleitet Menschen in herausfordernden Lebensphasen mit Hypnose und Coaching.
  • Sie erklärt, weshalb Hypnose für sie nichts mit Kontrollverlust zu tun hat.
  • Ihre Begleitung hat klare Grenzen und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

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Ein rund 80-jähriger Mann kam zu Martina Sommaruga, weil ihm Hitze grosse Angst machte. Temperaturen über etwa 25 Grad lösten nach ihren Angaben starke Anspannung und Angst bei ihm aus. Sommaruga erzählt, wie er im Verlauf ihrer gemeinsamen Arbeit wieder nach draussen gehen konnte, auch wenn es warm war. Der Satz, mit dem er zu ihr gekommen war, blieb ihr besonders in Erinnerung: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

Wer zu ihr kommt

Wenn Sie jemandem begegnen, der noch nie von Ihrer Arbeit gehört hat: Wie erklären Sie in wenigen Sätzen, was Sie tun?

Ich begleite Menschen, die sich in einer herausfordernden Lebensphase befinden, sich innerlich erschöpft fühlen oder immer wieder von belastenden Gedanken und Gefühlen eingeholt werden. Gemeinsam schaffen wir einen geschützten Raum, in dem sie zur Ruhe kommen, sich selbst wieder spüren und neue Perspektiven entwickeln können.

Mein Anliegen ist es, Menschen dabei zu unterstützen, wieder Vertrauen in sich selbst, ihre innere Kraft und ihren eigenen Weg zu finden. Ergänzend biete ich geführte Hypnosereisen zum Kauf sowie weitere unterstützende Angebote an, die auf meiner Webseite unter «Zusatzangebote» zu finden sind.

Ihre Arbeit verbindet Hypnose, Coaching und weitere Ansätze. Wie entscheiden Sie bei einem Menschen, womit Sie arbeiten und was in diesem Moment überhaupt sinnvoll ist?

Am Anfang steht immer das persönliche Gespräch. Ich höre aufmerksam zu: Was beschäftigt diesen Menschen gerade? Was braucht er oder sie wirklich? Wo liegt der Wunsch nach Veränderung, und was fühlt sich im Moment noch zu gross, zu schwer oder zu verletzlich an?

Dabei nehme ich nicht nur die Worte wahr, sondern auch das, was zwischen den Zeilen mitschwingt. Gemeinsam schauen wir, welcher Weg sinnvoll und stimmig ist. Manche Menschen brauchen zuerst Orientierung, ein Gespräch und neue Impulse. Andere wünschen sich eine tiefere Entspannung oder möchten mit Hypnose arbeiten. Der gemeinsame Weg entsteht nicht nach einem starren Konzept, sondern wird individuell, achtsam und in gegenseitigem Vertrauen festgelegt.

Menschen kommen selten zu Ihnen, wenn gerade alles rundläuft. Was bringen sie mit, wenn sie zum ersten Mal vor Ihnen sitzen?

Sie bringen ihr ganz persönliches Thema mit, manchmal klar benennbar, manchmal nur als Gefühl von Überforderung, Angst, innerer Unruhe oder Leere. Viele haben bereits einen langen Weg hinter sich, viel ausprobiert und sind müde davon, immer wieder im selben Muster festzustecken.

Und doch bringen sie fast immer auch etwas sehr Wertvolles mit: Hoffnung. Die leise Hoffnung, dass Veränderung möglich ist. Dass sie wieder leichter atmen, sich freier fühlen und ihr Leben wieder mehr nach ihnen selbst ausrichten können.

Wenn jemand zu Ihnen kommt und sagt: «Ich kann nicht mehr», wie finden Sie gemeinsam heraus, was tatsächlich dahintersteckt?

Dann darf zuerst einmal alles da sein. Dieser Satz bedeutet oft nicht nur Erschöpfung, sondern kann viele Geschichten, Ängste, Verluste, Erwartungen und lange unterdrückte Gefühle in sich tragen.

Ich arbeite mit achtsamen, offenen Fragen und gebe dem Menschen Zeit, in seinem Tempo zu erzählen. Gemeinsam schauen wir hin: Was genau ist im Moment zu viel? Seit wann ist es so? Was wurde vielleicht lange getragen, verdrängt oder allein bewältigt? Oft zeigt sich erst im geschützten Gespräch, was wirklich hinter diesem «Ich kann nicht mehr» steckt. Allein das gesehen und ernst genommen zu werden, kann bereits ein erster wichtiger Schritt zurück zu sich selbst sein.

Was Hypnose ist und was nicht

Viele Menschen haben Respekt oder sogar Angst vor Hypnose. Was genau befürchten sie, wenn sie Ihnen davon erzählen?

Es sind tatsächlich eher wenige Menschen, die grosse Angst vor Hypnose haben. Viele haben sich bereits im Vorfeld informiert und entscheiden sich ganz bewusst für diesen Weg.

Nahaufnahme einer Frau während einer Anwendung mit einem goldfarbenen Pendel
Martina Sommaruga arbeitet mit unterschiedlichen begleitenden Ansätzen. Bild: Martina Sommaruga

Dennoch kenne ich die Unsicherheit, die entstehen kann, besonders durch Bilder aus der Show- oder Bühnenhypnose.

Darum ist es mir wichtig, vor einer Hypnose ganz in Ruhe zu erklären, wie sie funktioniert, was währenddessen geschieht und was nicht. Hypnose ist kein Kontrollverlust. Es ist vielmehr ein Zustand tiefer Entspannung und fokussierter Aufmerksamkeit. Die Person bleibt bei sich, hört meine Stimme und kann jederzeit wahrnehmen, was sich für sie richtig anfühlt.

Kann jemand unter Hypnose etwas sagen oder tun, das er eigentlich nicht will? Was sagen Sie einem Menschen, der vor der ersten Sitzung vor Ihnen sitzt und sichtlich unsicher ist?

Nein. Niemand verliert in einer Hypnosesitzung seinen freien Willen oder tut etwas gegen die eigenen Werte, Grenzen oder den eigenen Wunsch. Die Person bleibt jederzeit anwesend und kann sich auch jederzeit äussern oder die Sitzung unterbrechen.

Wenn jemand unsicher vor mir sitzt, darf diese Unsicherheit da sein. Ich sage dann oft: «Du darfst dich sicher fühlen. Wir machen nur das, was sich für dich richtig anfühlt. Du bestimmst jederzeit das Tempo, und alles, was hier geschieht, dient dir, deinem Wohlbefinden und deiner Sicherheit.»

Mit welchen Erwartungen an Hypnose kommen Menschen zu Ihnen, die Sie zunächst korrigieren müssen?

Viele Menschen kennen heute bereits den Unterschied zwischen Bühnenhypnose und therapeutisch begleiteter Hypnose. Deshalb ist häufig gar keine grosse Korrektur nötig.

Falls Unsicherheiten oder falsche Vorstellungen da sind, kläre ich sie selbstverständlich auf: Es geht nicht darum, Kontrolle abzugeben oder «weg» zu sein. Es geht darum, in einem sicheren und begleiteten Rahmen Zugang zu den eigenen inneren Ressourcen zu finden. Hypnose ist kein Zaubertrick, sie kann jedoch ein kraftvoller Weg sein, sich selbst auf einer tieferen Ebene zu begegnen.

Was in einer Sitzung geschieht

Woran merken Sie, dass Sie gemeinsam mit einem Menschen an einem entscheidenden Punkt angekommen sind?

Oft zeigt es sich nicht in einem einzigen grossen Moment, sondern in kleinen, sehr berührenden Veränderungen. Der Blick wird weicher, die Atmung freier, der Körper entspannter. Menschen erzählen, dass sie wieder besser schlafen, ruhiger reagieren oder Situationen anders erleben, die sie früher sofort aus der Bahn geworfen hätten.

Drei Frauen bei einer angeleiteten Übung mit Pendeln an einem Tisch
Einblick in eine angeleitete Übung im Rahmen von Martina Sommarugas Arbeit. Bild: Martina Sommaruga

Ein entscheidender Punkt ist erreicht, wenn ein Mensch wieder spürt: «Ich bin nicht meiner Angst, meiner Vergangenheit oder meinen Gedanken ausgeliefert. Ich kann etwas verändern.» Wenn dieses Vertrauen zurückkommt, verändert sich oft auch der Alltag Schritt für Schritt.

Gibt es eine Begegnung oder einen Moment aus einer Sitzung, der Ihnen bis heute besonders geblieben ist?

Ja, besonders berührt hat mich die Begegnung mit einem rund 80-jährigen Mann. Er kam zu mir, weil er grosse Angst vor Hitze hatte, alles über etwa 25 Grad löste in ihm starke Anspannung und Angst aus. In seinem Leben hatte er mehrere Situationen erlebt, in denen er Todesangst verspürt hatte. Diese Erfahrungen hatten sich tief in ihm festgesetzt.

Martina Sommaruga begleitet einen Mann während einer Hypnose
Martina Sommaruga begleitet einen Klienten während einer Hypnose. Bild: Martina Sommaruga

Zu Beginn konnte er sich nur wenig entspannen. Doch mit der Zeit gelang es ihm immer besser, zur Ruhe zu kommen und seine Angst bewusster wahrzunehmen, statt von ihr überrollt zu werden. Schritt für Schritt lernte er, sich selbst zu regulieren und dem Gefühl nicht mehr ausgeliefert zu sein.

Am Ende konnte er wieder nach draussen gehen, auch wenn es warm war, ohne dass die Angst sein Leben bestimmte. Für ihn war das unglaublich befreiend und lebensverändernd. Was mich besonders bewegt hat: Er kam mit einem Satz zu mir, den ich nie vergessen werde: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Diese Hoffnung hat er sich bewahrt. Und sie wurde zu einer wichtigen Kraft auf seinem Weg.

Gibt es etwas an Menschen oder ihren Reaktionen, das Sie auch nach all den Jahren noch überrascht?

Ja, und es berührt mich jedes Mal aufs Neue. Nach einer Hypnosereise sehe ich oft, wie Menschen sichtbar entspannter werden: Die Gesichtszüge werden weicher, die Atmung ruhiger, der Körper lässt los. Manchmal kommen sie mit einem schweren, belastenden Gefühl in die Sitzung, und öffnen danach die Augen mit einem ganz anderen Ausdruck.

Natürlich ist nicht jede Veränderung sofort vollständig oder dauerhaft gelöst. Aber diesen Moment zu erleben, in dem ein Mensch wieder bei sich ankommt, sich leichter fühlt und einen inneren Frieden spürt, empfinde ich immer noch als etwas sehr Besonderes. Für mich liegt darin eine stille, echte Magie.

Wo die Grenzen liegen

Wo liegen für Sie die Grenzen Ihrer Arbeit? Wann sagen Sie einem Menschen, dass eine ärztliche oder andere fachliche Unterstützung notwendig ist?

Mir ist es sehr wichtig, verantwortungsvoll zu arbeiten und meine Grenzen klar zu kennen. Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Gerade bei akuten Krisen, schweren psychischen Belastungen, Suizidgedanken, schweren Traumafolgen oder wenn eine medizinische Abklärung notwendig ist, gehört fachärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung unbedingt dazu.

Manche Menschen kommen zu mir, nachdem sie bereits mit Ärztinnen, Ärzten, Psychologinnen, Psychologen oder Psychiaterinnen und Psychiatern gearbeitet haben und sich zusätzliche Begleitung wünschen. In solchen Fällen kann meine Arbeit, wenn es passend ist, ergänzend unterstützen. Wenn ich jedoch merke, dass jemand sich selbst völlig aufgegeben hat oder erwartet, dass ich sein Thema mit Hypnose einfach «wegmache», spreche ich das offen und ehrlich an. Veränderung braucht Bereitschaft, Eigenverantwortung und manchmal auch die Unterstützung mehrerer Fachpersonen.

Ihr eigener Weg

Was hat Sie ursprünglich dazu gebracht, diesen beruflichen Weg einzuschlagen? Welche persönlichen Erfahrungen haben die Art geprägt, wie Sie heute mit Menschen arbeiten?

Mein eigener Weg der Persönlichkeitsentwicklung hat mich zu dieser Arbeit geführt. Ich habe selbst erfahren, wie viel sich verändern kann, wenn wir beginnen, bewusster hinzuschauen, alte Muster zu erkennen und neue Wege zu gehen. Nicht, weil plötzlich alles im Leben perfekt wird, sondern weil wir uns selbst näherkommen, innere Zusammenhänge verstehen und wieder entdecken, dass wir Handlungsmöglichkeiten haben.

Martina Sommaruga vor einer Berglandschaft
Martina Sommarugas eigener Weg der Persönlichkeitsentwicklung führte sie zu ihrer heutigen Arbeit. Bild: Martina Sommaruga

Mit der Zeit habe ich erlebt, wie sich dadurch viele Lebensbereiche verändern können: die Beziehung zu sich selbst, der Umgang mit schwierigen Gefühlen, die eigenen Grenzen, Beziehungen und der Blick auf das Leben. Diese Erfahrung hat in mir den Wunsch geweckt, auch anderen Menschen zu zeigen: In dir steckt so viel mehr, als du vielleicht gerade sehen oder fühlen kannst.

Ich glaube daran, dass jeder Mensch etwas Wertvolles und Eigenes in sich trägt. Oft ist dieses Potenzial nicht verschwunden, es wurde nur von Belastungen, Ängsten, alten Erfahrungen oder Erwartungen überdeckt. Meine Arbeit besteht darin, Menschen ein Stück auf ihrem ganz persönlichen Weg zu begleiten: achtsam, wertschätzend und in dem Vertrauen, dass Entwicklung möglich ist, wenn ein Mensch bereit ist, sich wieder für sich selbst zu öffnen.

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