46 Prozent der Frauen in der Schweiz empfanden den Sommer 2026 als sehr belastend. Bei den Männern waren es 31 Prozent. Auch körperliche Beschwerden trafen Frauen deutlich häufiger. Hinter diesem Unterschied stehen nicht nur individuelle Wahrnehmungen, sondern auch biologische und soziale Faktoren.
Vier von fünf Frauen litten unter dem Hitzesommer
Der Sommer 2026 hat einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung belastet. Laut einer Umfrage von 20 Minuten, Tamedia und dem Forschungsinstitut Leewas bezeichneten 74 Prozent der Befragten den Sommer als sehr oder eher belastend. Nur 25 Prozent empfanden ihn als angenehm.
Die Befragung wurde am 19. und 20. August 2026 mit 12’780 Personen aus der ganzen Schweiz durchgeführt.
Auch körperlich hinterliess die Hitze Spuren. 37 Prozent berichteten von starken oder sehr starken Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen oder Kreislaufproblemen.
Bei der Aufteilung nach Geschlecht wird der Unterschied deutlich. 46 Prozent der Frauen empfanden den Sommer als sehr belastend, gegenüber 31 Prozent der Männer. Vier von fünf Frauen litten unter der Hitze. Nur 20 Prozent bezeichneten den Sommer als angenehm. Bei den Männern machte die Hitze drei von fünf zu schaffen.
Noch deutlicher zeigt sich die Differenz bei den körperlichen Auswirkungen. 46 Prozent der Frauen berichteten von starken oder sehr starken Beeinträchtigungen, bei den Männern waren es 29 Prozent. 16 Prozent der Frauen fühlten sich sehr stark beeinträchtigt, weitere 30 Prozent stark. Bei den Männern lagen die entsprechenden Anteile bei 7 und 22 Prozent.

Die Zahlen stammen aus einer Umfrage eines Medienhauses und sind entsprechend als Befragungsergebnisse einzuordnen. Sie zeigen, wie die Befragten ihre Belastung selbst wahrgenommen haben.
Was Hitze im Körper auslöst
Laut dem Bundesamt für Gesundheit erweitern sich bei Hitze die Blutgefässe, wodurch der Blutdruck sinkt. Das kann Kopfschmerzen, Krämpfe und Kreislaufprobleme begünstigen.
Auch bei hitzebedingten Todesfällen zeigt eine Analyse des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts einen Geschlechterunterschied: Von den für das Jahr 2022 ermittelten 474 hitzebedingten Todesfällen betrafen 60 Prozent Frauen. Alle Betroffenen waren mindestens 75 Jahre alt.

Die Zahlen zu den Todesfällen beziehen sich damit auf eine ältere Bevölkerungsgruppe und auf das Jahr 2022.
Schwangerschaft erhöht die körperliche Belastung
Eine besondere Situation besteht während einer Schwangerschaft. Schwangere gehören zu den Gruppen, die durch hohe Temperaturen stärker gefährdet sind.
Der Körper ist während einer Schwangerschaft bereits stärker beansprucht. Das Blutvolumen ist erhöht, ebenso der Herzschlag. Treffen hohe Temperaturen auf diese veränderte körperliche Ausgangslage, können die körpereigenen Anpassungsmechanismen an ihre Grenzen stossen.
Damit kommt zur allgemeinen Hitzebelastung eine zusätzliche physiologische Beanspruchung hinzu. Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern lassen sich deshalb nicht allein mit der subjektiven Wahrnehmung von Wärme erklären.
Ein Sommer mit aussergewöhnlich hohen Temperaturen
Die starke Belastung fällt in einen Sommer mit aussergewöhnlichen Temperaturwerten. Nach Angaben von MeteoSchweiz lag der Juni 2026 im landesweiten Mittel 3,5 Grad über der Norm 1991 bis 2020. Damit war es der drittwärmste Juni seit Messbeginn 1864.

Die Umfrageergebnisse stehen damit vor einem klaren meteorologischen Hintergrund. Die Befragten bewerteten keinen durchschnittlichen Schweizer Sommer, sondern eine Periode mit aussergewöhnlicher Hitze.
Einkommen beeinflusst die empfundene Belastung
Die Unterschiede verlaufen nicht nur zwischen Frauen und Männern. Auch die finanzielle Situation hängt in der Befragung mit der wahrgenommenen Belastung zusammen.
Bei Personen aus Haushalten mit einem Einkommen von bis zu 4000 Franken bezeichneten 46 Prozent den Sommer als sehr belastend. Bei einem Haushaltseinkommen von mehr als 16’000 Franken waren es 30 Prozent.
Aus diesen Zahlen allein lässt sich nicht bestimmen, wodurch der Unterschied verursacht wird. Sie zeigen aber, dass die wahrgenommene Belastung mit dem Einkommen variiert.
Beim Alter zeigte sich dagegen kein entsprechender Unterschied in der Beurteilung des Sommers. Die Frage, wie belastend die Hitze wahrgenommen wurde, lässt sich damit nicht einfach auf ältere Bevölkerungsgruppen reduzieren.
Eine frühere Erhebung zeigt regionale Unterschiede
Regionale Unterschiede wurden bereits bei einer früheren Schweizer Untersuchung sichtbar. Im Sommer 2023 befragte das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut rund 1800 Personen ab 50 Jahren zu ihrer Hitzekompetenz.
In der Deutschschweiz empfanden 45 Prozent der Befragten die Hitze als sehr oder ziemlich belastend. In der Westschweiz waren es 64 Prozent, im Tessin 65 Prozent. Rund acht Prozent hatten wegen der Hitze Kontakt mit einer Gesundheitsfachperson. Bei chronisch kranken Personen lag dieser Anteil bei 16 Prozent.
Hitze kann auch die psychische Gesundheit belasten
Körperliche Beschwerden sind nur eine Seite der gesundheitlichen Auswirkungen hoher Temperaturen. Auch die psychische Gesundheit kann betroffen sein.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hält in seinem Gefährdungsdossier zur Hitzewelle fest, dass hohe Temperaturen mit einem erhöhten Risiko für Spitaleintritte aufgrund psychischer Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Das Dossier betrachtet Hitzewellen als Gefährdung mit Auswirkungen auf Bevölkerung und Gesundheitswesen.
Bei anhaltenden oder ausgeprägten körperlichen beziehungsweise psychischen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.



