Alkohol gehört für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Ein Glas Wein am Abend, ein Bier mit Freunden oder ein Apéro nach Feierabend wirken zunächst unspektakulär. Gleichzeitig hinterfragen immer mehr Menschen ihre eigenen Routinen und stellen sich die Frage, welche Rolle Alkohol in ihrem Leben eigentlich spielt.
Dabei geht es nicht nur um Menschen mit problematischem Konsum. Auch wer beruflich und familiär stark eingespannt ist oder sich körperlich wohler fühlen möchte, kann den eigenen Umgang mit Alkohol neu bewerten. Manche entscheiden sich für eine Pause, andere möchten bewusst alkoholfrei leben. Wie einfach dieser Schritt fällt, hängt jedoch häufig weniger von einem einzelnen Vorsatz als von den dahinterliegenden Gewohnheiten ab.
Wenn gute Vorsätze nicht ausreichen
Viele Menschen wissen ziemlich genau, was sie verändern möchten. Sie wollen bewusster leben, sich körperlich besser fühlen oder Alkohol nicht mehr automatisch mit Feierabend, Essen und gesellschaftlichen Anlässen verbinden. Trotzdem kehren alte Routinen oft zurück.
Das liegt auch daran, dass Gewohnheiten über längere Zeit entstehen. Das Feierabendbier, der Wein zum Essen oder das Glas nach einem anstrengenden Tag können mit bestimmten Situationen und Erwartungen verknüpft sein. Wer nur das Getränk weglässt, verändert deshalb nicht automatisch die dahinterliegende Routine.
Ein Vorsatz allein muss nicht ausreichen, wenn sich bestimmte Verhaltensmuster über Jahre eingespielt haben. Wer seinen Alkoholkonsum verändern möchte, muss deshalb häufig auch betrachten, wann und warum bestimmte Situationen mit Alkohol verbunden sind.
Bewusst alkoholfrei leben bedeutet nicht automatisch Verzicht
Parallel dazu hat sich das Angebot alkoholfreier Getränke deutlich verändert. Alkoholfreie Biere, Weine und andere Alternativen sind heute an vielen Orten erhältlich und werden zunehmend auch bei gesellschaftlichen Anlässen angeboten.
Damit verändert sich auch die Wahrnehmung eines alkoholfreien Lebens. Es muss nicht darum gehen, bei einem Abendessen oder Apéro lediglich etwas wegzulassen. Eine grössere Auswahl kann es erleichtern, bestehende Rituale anders zu gestalten.
Das allein löst zwar keine tief verankerten Gewohnheiten. Es kann aber dabei helfen, soziale Situationen nicht automatisch mit Alkoholkonsum zu verbinden.
Veränderung zeigt sich im Alltag
Viele Angebote rund um Verhaltensänderung vermitteln zunächst Wissen. Entscheidend wird es jedoch häufig dort, wo die neue Entscheidung im Alltag auf konkrete Situationen trifft.
Was passiert bei einer Einladung, wenn alle anderen Wein bestellen? Wie reagiert man in einem Restaurant? Welche Alternative gibt es nach einem stressigen Arbeitstag? Und welche Gewohnheiten treten an die Stelle bisheriger Routinen?
Mit solchen Fragen beschäftigt sich auch Ingo Weckermann. Er bietet in Laufenburg AG ein sechstägiges Einzelcoaching an, das von Sonntag bis Freitag dauert. Nach Angaben des Anbieters werden dabei Denk- und Verhaltensmuster reflektiert und neue Routinen im Alltag erprobt.
Der Einführungspreis für das sechstägige 1:1-Coaching liegt nach Angaben des Anbieters bei 2000 Franken.
Galerie Alkoholfrei: Flaschen werden präsentiert wie Kunst
In der Altstadt von Laufenburg im Aargau hat Weckermann zusätzlich einen ungewöhnlichen Ort geschaffen. In der Galerie Alkoholfrei werden alkoholfreie Weine, Biere und verschiedene Manufakturprodukte präsentiert. An den Wänden hängen Bilder, in den Regalen stehen Flaschen.

Weckermann beschreibt die Galerie ausdrücklich weder als klassischen Weinhandel noch als Bar oder Klinik. Die Idee ist vielmehr, alkoholfreie Produkte sichtbar zu machen und ihnen einen anderen Rahmen zu geben.
Betrieben wird die Galerie von IW Coaching. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben spezialisiertes Coaching für ADHS, Fokus und mentale Gesundheit an. Weckermann hat selbst ADHS und begleitet nach eigenen Angaben auch andere Betroffene.

Damit verbindet der Standort zwei Bereiche, die zunächst unterschiedlich wirken: auf der einen Seite alkoholfreie Getränke und Produkte, auf der anderen Seite Coaching und persönliche Begleitung.
Coaching ist keine Behandlung einer Alkoholabhängigkeit
Gerade an dieser Stelle ist eine klare Abgrenzung wichtig. Coaching kann Menschen dabei unterstützen, eigene Gewohnheiten zu reflektieren oder persönliche Ziele zu verfolgen. Es ersetzt jedoch keine medizinische oder suchttherapeutische Behandlung.
Ob ein Coaching-Angebot zur eigenen Situation passt, hängt deshalb stark davon ab, weshalb jemand bewusst alkoholfrei leben oder seinen Alkoholkonsum verändern möchte. Wer beispielsweise bewusst weniger trinken oder bestehende Routinen hinterfragen möchte, befindet sich in einer anderen Ausgangslage als jemand, der seinen Konsum nicht mehr kontrollieren kann oder bereits unter einer Abhängigkeit leidet.
Wichtig: Wer den Eindruck hat, den eigenen Alkoholkonsum nicht mehr kontrollieren zu können oder möglicherweise abhängig zu sein, sollte sich an eine ärztliche Fachperson oder eine professionelle Suchtberatungsstelle wenden.



