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PFAS im Blut: Was der Befund für die Schweiz bedeutet

Marco Baumann
von
Marco Baumann
05.10.2026
Blutprobe bei einer Laboruntersuchung
PFAS lassen sich mit empfindlichen Analysemethoden im menschlichen Blut nachweisen.
Darum gehts ∧
  • Bei allen untersuchten Personen wurden PFAS im Blut nachgewiesen.
  • Ein Nachweis allein bedeutet noch kein gesundheitliches Risiko.
  • Um die Grundbelastung zu senken, sind vor allem politische und gesetzliche Massnahmen nötig.

PFAS lassen sich im Blut aller untersuchten Personen nachweisen. Der Befund aus der Schweizer Gesundheitsstudie Pilotphase klingt zunächst beunruhigend. Entscheidend ist jedoch die Einordnung: Der Nachweis allein bedeutet nicht, dass für jede dieser Personen ein Gesundheitsrisiko besteht.

Natalie von Götz leitete die Studie im Rahmen ihrer Tätigkeit als Projektleiterin Humanbiomonitoring beim Bundesamt für Gesundheit BAG. Sie erklärt, was die Ergebnisse aussagen, woher die Stoffe kommen und warum der Einzelne seine Belastung nur begrenzt beeinflussen kann.

Ein Nachweis im Blut ist noch keine Risikobewertung

Ein Grund dafür liegt in den Möglichkeiten der Analytik. Heutige Nachweismethoden sind so empfindlich, dass sich zahlreiche Schadstoffe im menschlichen Blut feststellen lassen. Für die gesundheitliche Einordnung ist deshalb nicht allein entscheidend, ob eine Substanz gefunden wird.

Erst die Menge im Blut und deren Vergleich mit beobachteten gesundheitlichen Effekten ermöglichen eine Risikobewertung. Von Götz verweist dabei auf Erkenntnisse aus Tierversuchen sowie auf Effekte, die innerhalb grösserer Gruppen von Menschen beobachtet wurden. Wie sich eine Belastung auf den einzelnen Körper auswirkt, hängt zudem von zahlreichen Faktoren ab und kann individuell unterschiedlich sein.

Lebensmittel und Trinkwasser sind wichtige Quellen

Für die allgemeine Bevölkerung erfolgt die Aufnahme von PFAS nach heutigem Wissensstand vor allem über Lebensmittel und Trinkwasser. Bei den Lebensmitteln nennt von Götz insbesondere tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Milch, Milchprodukte und Eier.

Trinkwasser wird aus einem Wasserhahn in ein Glas gefüllt
Trinkwasser zählt zu den möglichen Aufnahmequellen von PFAS.

Damit ist die Belastung nicht auf eine einzelne Quelle zurückzuführen, die sich im Alltag einfach ausschalten liesse. Für bestimmte Berufsgruppen können zusätzlich Quellen am Arbeitsplatz eine Rolle spielen.

Warum Alter und Geschlecht einen Unterschied machen

Bei den untersuchten Personen zeigten sich Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Hinter den im Durchschnitt höheren Konzentrationen bei älteren Menschen steht die Art, wie bestimmte PFAS vom Körper aufgenommen und wieder ausgeschieden werden.

Sogenannte langkettige PFAS können sich im Laufe des Lebens anreichern, weil sie langsamer ausgeschieden als aufgenommen werden. Mit zunehmendem Alter verlängert sich die Zeit, während der eine Person diesen Stoffen ausgesetzt war. Das erklärt laut von Götz die durchschnittlich höheren Konzentrationen bei älteren Menschen.

Bei Frauen lagen die Werte tiefer. Von Götz führt dies darauf zurück, dass Frauen mit der Regelblutung sowie durch Geburt und Stillen zusätzliche Ausscheidungswege über Blut und Milch haben.

Was man selbst gegen die PFAS-Belastung tun kann

Ganz ohne Einfluss ist der Einzelne nicht. Von Götz nennt einzelne Belastungsquellen, die nachweislich eine grössere Rolle spielen können. Dazu gehören tierische Nahrungsmittel mit hohem Eiweissgehalt.

Ihre Empfehlung lautet allerdings nicht, solche Lebensmittel grundsätzlich zu meiden. Eine vielfältige Ernährung mit unterschiedlichen Eiweissquellen kann dazu beitragen, dass eine Person nicht wiederholt über dasselbe Lebensmittel exponiert wird.

Schiff auf einem Schweizer See
In einigen Schweizer Seen wurden erhöhte PFAS-Konzentrationen festgestellt.

Eine konkretere Situation besteht bei Fischen aus bestimmten Schweizer Seen. Dort wurden erhöhte PFAS-Konzentrationen festgestellt und Empfehlungen dazu ausgesprochen, wie häufig Fische aus diesen Gewässern gegessen werden sollten. Solche Empfehlungen sollten laut von Götz beachtet werden.

Mehr lässt sich aus ihren Aussagen für den persönlichen Alltag nicht als allgemeine Empfehlung ableiten. Die Belastung entsteht nicht durch eine einzige Gewohnheit, die jeder Mensch einfach abstellen könnte.

Wo der persönliche Einfluss an seine Grenze kommt

Die entscheidende Stellschraube liegt deshalb nicht allein beim Konsumverhalten. Weil PFAS in der Umwelt stark verbreitet sind, hält von Götz vor allem politische und gesetzliche Massnahmen für notwendig, um die durchschnittliche Grundbelastung der Bevölkerung zu senken.

In der Schweiz wurden in jüngerer Zeit für einige PFAS neue Höchstwerte für verschiedene Lebensmittel festgelegt. Von Götz nennt Fisch, Fleisch und Eier. Weitere Höchstwerte sind geplant, beispielsweise für Milch.

Der grössere Ansatzpunkt liegt noch weiter vorne. Soll die Belastung von Menschen und Umwelt sinken, muss weniger PFAS in die Umwelt gelangen. Eine umfassende Beschränkung von PFAS wird derzeit in der EU diskutiert und könnte anschliessend auch von der Schweiz übernommen werden.

Dass regulatorische Eingriffe einen Unterschied machen können, zeigt laut von Götz die Entwicklung bei bereits verbotenen PFAS. Bei diesen sei die Belastung seit einiger Zeit rückläufig.

Die Untersuchung zur PFAS-Belastung der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz ist in der Fachzeitschrift Environment International erschienen. Die Publikation ist über ScienceDirect abrufbar.

Porträt von Natalie von Götz

Über Natalie von Götz

Natalie von Götz leitete die Schweizer Gesundheitsstudie Pilotphase im Rahmen ihrer Tätigkeit als Projektleiterin Humanbiomonitoring beim Bundesamt für Gesundheit BAG. Daneben ist sie Dozentin am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich.

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