Drei Lux sind wenig Licht. Ungefähr diese Helligkeit kann bereits entstehen, wenn nachts Licht aus dem Flur durch einen Türspalt ins Schlafzimmer fällt. Eine neue Studie bringt nächtliche Lichtexposition in dieser Grössenordnung mit messbaren Veränderungen an Struktur und Funktion des Herzens in Verbindung. Entscheidend ist dabei die Einschränkung: Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass das Licht die Veränderungen verursacht.
Sieben Nächte Lichtmessung und später ein MRT
Die im September 2026 im European Heart Journal veröffentlichte Untersuchung basiert auf Daten der britischen UK Biobank. Geleitet wurde die Forschung von Lu Qi, Professor für Epidemiologie und Direktor des Obesity Research Center an der Tulane University in den USA.
Für die Untersuchung trugen 11’071 Teilnehmende sieben Tage lang ein Gerät am Handgelenk, das neben der Bewegung auch die Lichtexposition erfasste. Als entscheidende Grenze verwendeten die Forschenden eine nächtliche Beleuchtungsstärke von mehr als drei Lux. Die Gruppen wurden danach unterschieden, wie stark und wie lange die Teilnehmenden nachts Licht oberhalb dieses Werts ausgesetzt waren.
Rund drei Jahre nach dieser Messung wurde das Herz der Teilnehmenden mittels Magnetresonanztomografie untersucht. Dadurch konnten die Forschenden Unterschiede bei Struktur und Funktion des Herzens mit der zuvor gemessenen nächtlichen Lichtexposition vergleichen.
Im MRT zeigten sich Unterschiede am linken Ventrikel
Bei Teilnehmenden mit hoher nächtlicher Lichtexposition über drei Lux zeigten die MRT-Aufnahmen mehrere Unterschiede. Die Masse des linken Ventrikels lag im Mittel 2,4 Prozent höher als bei Personen ohne entsprechende nächtliche Lichtexposition. Die durchschnittliche Wanddicke war 1,5 Prozent höher.
Gleichzeitig lag die myokardiale Kontraktionsfraktion um 1,9 Prozent niedriger. Dabei handelt es sich um eine Messgrösse für die Kontraktionsfunktion des Herzmuskels. Die Studie fand zudem Zusammenhänge mit weiteren Messwerten des linken Ventrikels sowie mit Veränderungen am rechten Ventrikel und linken Vorhof.
Die Zusammenhänge folgten dabei einem Dosis-Wirkungs-Muster: Mit zunehmender nächtlicher Lichtexposition fielen auch die gemessenen Unterschiede stärker aus.
Die Grössenordnung ist für die Einordnung wichtig. Es handelt sich bei den genannten MRT-Befunden um Unterschiede im niedrigen Prozentbereich. Aus solchen Gruppenunterschieden lässt sich nicht ablesen, was eine bestimmte Lichtquelle für das Herz einer einzelnen Person bedeutet.
Auch Herzschwäche und Schlaganfälle wurden häufiger beobachtet
Die Forschenden untersuchten nicht nur die MRT-Daten. In einer zweiten Analyse werteten sie Daten von rund 73’000 Personen aus und betrachteten über mehrere Jahre neu auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfälle. Auch hier zeigte sich ein Zusammenhang mit stärkerer nächtlicher Lichtexposition.
Das Risiko für Herzschwäche lag in der entsprechenden Auswertung um 29 Prozent höher. Für Vorhofflimmern betrug der Unterschied 15 Prozent, für Herzinfarkt 24 Prozent und für Schlaganfall 33 Prozent. Beim Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag das Risiko um 26 Prozent höher.
Diese Prozentwerte dürfen nicht mit der Wahrscheinlichkeit verwechselt werden, dass eine einzelne Person eine dieser Erkrankungen entwickelt. Sie beschreiben relative Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen.
Ein Teil des Zusammenhangs führte über kürzeren Schlaf
Eine mögliche Verbindung fanden die Forschenden beim Schlaf. Eine kürzere Schlafdauer erklärte je nach untersuchtem kardiovaskulärem Messwert zwischen 24 und 49 Prozent des statistischen Zusammenhangs mit der nächtlichen Lichtexposition.
Lu Qi erklärte, dass nächtliches Licht das Herz teilweise beeinflussen könnte, indem es Schlafdauer und Schlafqualität beeinträchtigt.

Daneben gibt es weitere mögliche biologische Erklärungen. Frühere Beobachtungsstudien brachten nächtliche Lichtexposition bereits mit Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen der autonomen Regulation des Herzens, systemische Entzündungsprozesse und Störungen des zirkadianen Rhythmus.
Drei Lux sind keine nachgewiesene Gefahrengrenze
Gerade die Zahl von drei Lux lässt sich leicht missverstehen. Sie war in der Studie eine Schwelle, anhand derer die nächtliche Lichtexposition erfasst und ausgewertet wurde. Aus dem Ergebnis folgt nicht, dass 2,9 Lux sicher und 3,1 Lux gefährlich wären.

Ebenso wenig wurde untersucht, ob Menschen ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko senken, wenn sie ihr Schlafzimmer stärker abdunkeln. Eine solche Schlussfolgerung würde eine andere Art von Untersuchung voraussetzen.
Karl Lawrence vom King’s College London äusserte gegenüber CNN Vorbehalte bei der Interpretation und verwies darauf, dass unklar sei, wie aussagekräftig das Ergebnis letztlich ist.
Was die Studie für das Schlafzimmer bedeutet
Aus der Untersuchung lässt sich zunächst eine nüchterne Erkenntnis ableiten: Für die Forschung zu Schlaf und Herz-Kreislauf-Gesundheit kann bereits eine sehr geringe nächtliche Lichtexposition relevant sein. Es braucht dafür kein hell beleuchtetes Schlafzimmer.
Mehr lässt sich für den Alltag aus diesen Daten nicht sicher ableiten. Die Forschenden haben nicht getestet, ob eine Verringerung der Lichtexposition die im MRT beobachteten Unterschiede rückgängig macht oder das spätere Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.
Wer Licht während der Nacht als Teil seiner Schlafumgebung betrachten möchte, kann deshalb zunächst darauf achten, welche Lichtquellen tatsächlich vorhanden sind. Daraus wird aber keine medizinische Therapie und auch kein individueller Risikowert. Wer Herzbeschwerden hat, sollte diese ärztlich abklären lassen und nicht versuchen, sie anhand der Beleuchtung im Schlafzimmer zu erklären.



